Befreit

Sag Deine Meinung oder führe ein trauriges Leben

Lieber noch hätte ich geschrieben ..oder führe ein “es-gibt-halt-so-Leben” Leben. Das war mir aber zu lang für die Überschrift.
Diesen Ausdruck habe ich aus Tommy Jauds Hörbuch “Einen Scheiß muß ich”. Davon erzähle ich irgendwann demnächst noch mal ausführlicher, heute nur so viel: “Es gibt halt so Leben”, damit weißt Du doch bestimmt gleich was gemeint ist, oder? Ein Leben in Stille und Verzweiflung, angepasst, darauf bedacht zu tun was andere von einem wollen. Niemals aus der Reihe tanzen, Ärger runter schlucken.
Heute nehme ich Bezug auf einen Artikel von Holm Brookmann in der Zeitschrift Cord (Ausgabe 2) “Ihr könnt mich alle mal”.
Hier redet der Autor davon zur Befreiung mal auf den Tisch zu hauen und zu sagen “Ihr könnt mich alle mal!”. Er fragt uns, wo es denn noch Rebellentum gibt.
Sein bisheriges Leben beschreibt er so: Er gefiel sich darin jahrelang länger zu arbeiten und auch am Wochenende für die Firma erreichbar zu sein. Gerne beklagte er sich, dass die anderen offenbar nicht ohne ihn auskamen. Das glaubt er gerne. Entdeckt, dass andere das selbe taten, hat er erst später. Genauso wie dass sie alle gemeinsam ein System unterstützten, welches sie erschöpfte.Die Firma dankt es.

Zurück zur Suche nach dem Rebellischem…man findet es in der Werbung – ah ja. Ein freier Mann, keine Termine, dafür am Steuer eines Offroad Fahrzeugs, umweht von der Möglichkeit jeden Moment die Straße zu verlassen. Wilder Bart, coole Outdoorjacke, weite Landschaft.

So kauft man sich doch so ein Fahrzeug für die Großstadt (…Moment meine Meinung dazu später)..

Nun. Brookmann spricht davon, dass der Widerspruch von eigenem Leben zur Illusion der Unabhängigkeit zu groß werden kann, vielleicht trotz Geländewagen. Diese Diskrepanz sei auf Dauer nicht auszuhalten.
Es fehlt an Authentizität. Bis man endlich seinen Fuck-You-Moment hat. Der Blick wird wieder weit die Möglichkeiten größer.
Man tut etwas und es hat eine Wirkung. Wow. Das nennt sich Selbstwirksamkeit. Eine Handlung die einen wirklichen Effekt auf das eigene Leben hat. Keine kleines Lob vom Chef. Das Gefühl sein Leben in der Hand zu haben.
Diese Gefühl der Selbstwirksamkeit fehlt im Hamsterrad. Das macht krank.

Der Autor erzählt noch von Hamphrey Bogart, der einen Koffer voller Geld unterm Bett hatte. Diesen zeigte er gerne Besuchern mit den Worten “Das ist meine Fuck you Geld! Damit kann ich, wenn es mir nicht mehr passt, einfach gehen”. Yeah. Diesen Koffer zu haben bedeutet für ihn Unabhängigkeit, obwohl er ihn nie nahm.

Toller Artikel. Ich würde nur sagen: Warum erst auf diesen Fuck-You-Moment warten bis man fast nicht mehr kann? Warum nicht vorher schon seine Meinung klar sagen?

Angst vor den Konsequenzen? Nämlich vor allem der, dass man es sich nicht mehr schön reden kann?
Oder hast Du Angst, dass der Chef Dich zu einem Gespräch bittet, weil Du dem Kollegen der immer seine Arbeit auf andere abwälzest, die Meinung gesagt hat?
Na wunderbar, an dieser Stelle solltest Du endlich mehr Gehalt fordern, schließlich machst Du ständig Mehrarbeit. Von den anderen Kollegen gibt es vielleicht Respekt.
Genauso würde ich mal einem Kunden die Meinung sagen, über den ich mich ständig nur ärgere, da er monatelang nicht zahlt, aber seine Arbeit immer sofort erledigt haben will plus kostenfreie Extras. Dazu spricht er mit Dir wie mit einem Untergebenen.
Falls der Kunde sein Verhalten nicht ändert, sollte man ihn abschreiben. Es gibt andere Kunden da draußen die freundlich sind, gut und pünktlich zahlen und sich an Deine Empfehlungen halten.

Vielleicht braucht es gar keinen realen Koffer voller Geld unterm Bett um die Konsequenzen zu tragen?
Vielleicht reichen da auch schon die möglichen Optionen auf einen anderen Job? Die Erfahrung, dass sich ja immer etwas gefunden hat. Der Gedanke, dass man schon nicht verhungern wird. Man hat einen Partner der zu einem steht oder einfach nur ein Flugticket nach Asien.

Ein guter Mut-Macher ist Dir vorzustellen, was im schlimmst Fall passieren kann.
Na? Nicht so schlimm wie die Vorstellung in alle Ewigkeit einfach so weiter zu machen, oder?
Coole Klamotten und ein Geländewagen verjagen das “Kann das alles sein – Gefühl” einfach nicht lange.

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